Frauen fliegen anders

Zum ersten Mal in der Geschichte der Raumfahrt ist eine Touristin ins All gestartet. Pünktlich um 6.08 Uhr MESZ hob am Montagmorgen die Sojus-Rakete mit der iranisch-stämmigen Geschäftsfrau Anousheh Ansari an Bord vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. Die US-Millionärin begleitet den US-Astronauten Michael Lopez-Alegria und Kosmonaut Michail Tjurin auf dem Flug zur Internationalen Raumstation ISS.

Von Horst Kläuser, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Manchmal beginnen Höhenflüge mit einem Traum. Den hatte Anousheh Ansari vor mehr als 30 Jahren, als kleines Mädchen in Persien als sie in den Himmel über ihrer Heimat schaute. Mit 18 verließ sie den Iran, weil Mädchen dort nicht mehr Naturwissenschaften studieren durften. Heute, ist sie eine erfolgreche Unternehmerin, Multimillionärin und fliegt um die Erde. Mit einem amerikanischen Pass. Und einem iranischen. Beide Flaggen durfte Anousheh Ansari auf ihren Raumanzug nähen. Sie ist stolz, die erste Muslimin im All zu sein. Und die erste Weltraumtouristin.

„Ich fühle mich auf den Flug gut vorbereitet“

Vor ihr hatten erst drei Männer je rund 16 Millionen Euro an die russische Weltraumbehörde bezahlt. Doch dies ist nicht nur das astronomisch hohe Eintrittsgeld für eines der letzten Abenteuer, es ist auch der Anfang für ein aufwendiges nervenzerreibendes Training für Kopf und Körper: „Während der Vorbereitung auf meinen Flug wurden mir keine Zugeständnisse gemacht, obwohl ich keine Berufskosmonautin bin. Man hat mich über den Umfang und die Details des kosmischen Apparates unterrichtet. Ich fühle mich auf den Flug gut vorbereitet“, so die Astronautin vor dem Start.

Vor ihr liegen gut 150 Erdumrundungen und jede Menge wissenschaftlicher Arbeit. Die 40-jährige Unternehmerin hat selbst vier medizinische und biologische Experimente zu Blutanalysen und Muskelschwund an Bord der Sojus-Kapsel und später der Internationalen Raumstattion ISS zu betreuen.

unknown style: 33643392-2d97-4804-8ad5-e08d75af0ad3

Ungestümes Entzücken im All

Zwar waren schon häufiger Frauen im All, aber dennoch bleibt der weibliche Kick ins Orbit eher die Ausnahme. Wladimir Solojow, der Missionsleiter, weiß zu berichten: „Sie alle reagieren auf den Start sehr stürmisch und leidenschaftlich. Ich musste sogar die Kollegen Anjuschas bitten, sie etwas zu zähmen. Aus meiner Erfahrung der vorherigen Starts mit Frauen weiß ich, dass die Frauen besonders emotional, mit ungestümen Entzücken darauf reagieren, was sie in den ersten Minuten im All sehen“, sagt Solojow.

Kopfschütteln ist zum Beispiel nicht angesagt: Das kommt in der Schwerelosigkeit nicht gut, führt zu Kopfschmerz und Schwindel. Gefühle, die vielleicht auch Anouhsehs Mutter beim Start beschlichen haben mögem: „Als Mutter bin ich etwas beunruhigt. Aber ich freue mich sehr, daß sie ins Weltall steigt.“

Politisch heikle Zeit

Der Raumflug der iranisch-amerikanischen Weltraumtouristin kommt in politisch heikler Zeit, doch scheinen dies weder Teheran noch Washington auszuschlachten.

Gemeinsam mit dem US-Astronauten Michael Lopez-Alegria und dem russischen Kosmonauten Mikhail Tjurin wird Ansari am Mittwoch an der ISS andocken. Tjurin hat vor, den ersten Golfball im Weltall abzuschlagen – die Nasa hat ihre Bedenken über Bord geworfen. Dann ist Frau Ansari aber schon längst wieder auf der Erde. Und die Männer im All sind wieder unter sich: keine Probleme mehr mit der Spezialtoilette, Haare schneiden ist einfacher, und der Lippenstift fliegt auch nach Hause.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.